Ein Beitrag zur digitalen Kompetenzbildung von Auszubildenden im Bauhandwerk
- Die fortschreitende Digitalisierung nimmt in nahezu allen Wirtschaftssektoren, einschließlich des Bauhandwerks, eine zunehmend bedeutende Stellung ein. Im Jahr 2017 integrierten nur etwa 45 Prozent der Handwerksbetriebe digitale Technologien in ihre Arbeitsabläufe; 2022 stieg der Anteil auf 75 Prozent an. Die Entwicklung zwischen den Jahren 2017 bis 2022 zeigt zwar kontinuierliche Fortschritte, legt jedoch auch die bestehenden Herausforderungen und den erheblichen Nachholbedarf vieler kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) offen, die sich der digitalen Transformation stellen müssen.
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die Digitalisierung in der Bauwirtschaft bis zum Jahr 2030 umfassend zu fördern, dennoch fühlen sich zahlreiche Handwerksbetriebe von diesem Transformationsprozess überfordert. Ergänzend dazu ergeben sich Schwierigkeiten wie unzureichende Infrastruktur, mangelnde Schulungsangebote sowie Engpässe bei Fachkräften, die den Übergang in die digitale Zukunft zusätzlich erschweren. Aus diesem Grund gewinnt die digitale Kompetenzbildung von Auszubildenden im Bauhandwerk zunehmend an Relevanz.
An der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) Kaiserslautern-Landau engagiert sich das Forschungsteam unter der Leitung von Universitätsprofessor Dr.-Ing. Karsten Körkemeyer im Fachbereich Bauingenieurwesen, Fachbereich Baubetrieb und Bauwirtschaft, seit mehreren Jahren intensiv mit der Thematik der Digitalisierung in der Bauwirtschaft. Zu den bereits erfolgreich abgeschlossenen Projekten zählen unter anderem InfraBau4.0 , Digital Construction Management (DiCoMa) sowie umfassende Studien zum Stand der Digitalisierung der Baubranche . Des Weiteren wurde eine Einführungsstrategie für Building Information Modeling (BIM) im Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz entwickelt. Aktuell befindet sich das Forschungsteam in der zweiten Phase des Projekts Offene Digitalisierungsallianz Pfalz II (ODPfalz-II) , in dem es im Rahmen des Innovationsbereich (IB) Arbeit das Arbeitspaket fünf (A5) übernimmt, der sich zwischen 2023 und 2027 mit der Integration digitaler Lehrinhalte in die berufliche Ausbildung im Bauhandwerk befasst. Die Forschungsarbeit bietet eine bedeutende Möglichkeit, das weitreichende Spektrum der Digitalisierung innerhalb der Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft zu erweitern und zu vertiefen.
Im Besonderen fokussiert sich das aktuelle Forschungsvorhaben auf die Implementierung neuer Lehrmethoden und die Entwicklung von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien. Ziel ist es, die Digitalisierung im Bauhandwerk proaktiv zu fördern und weiter voranzutreiben. Vorangegangene Forschungsergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, digitale Kompetenzen bereits während der Ausbildung zu vermitteln, um die zukünftigen Fachkräfte adäquat auf die Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt vorzubereiten und somit einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Baubranche zu leisten.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird ein Teilbereich des Innovationsbereichs (IB) Arbeit, Arbeitspaket fünf (A5), vertieft analysiert und bearbeitet. Das Ziel bestand darin, den aktuellen Zustand und die Bedarfe der Bauwirtschaft in der Pfalz mittels einer Onlineumfrage und Experteninterviews mit Handwerksbetrieben zu erheben. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurden diejenigen tatsächlich erforderlichen digitalen Kompetenzen für Auszubildende identifiziert, die in der Praxis auch benötigt werden. Die Ergebnisse der Onlineumfrage verdeutlichen die vielfältigen Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Sie weisen darauf hin, dass bereits in der Berufsausbildung von jungen Handwerkerinnen und Handwerkern gezielt in digitale Kompetenzen investiert werden muss. Diese frühzeitige Förderung kann die Digitalisierung der Handwerksbetriebe beschleunigen und dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken.
Basierend auf den Erkenntnissen der empirischen Erhebungen widmet sich die Arbeit im Gestaltungsteil der Entwicklung eines vierstufigen digitalen Modells zu Kompetenzbildung für Auszubildende im Bauhandwerk. Das Modell umfasst dabei grundlegende digitale Fähigkeiten sowie berufsspezifische Anforderungen. Die Evaluation des digitalen Kompetenzmodells erfolgt im Rahmen von vier Workshops. Die teilnehmenden Auszubildenden des Gewerkes Zimmerer wurden mithilfe einer quantitativen Onlinebefragung gebeten, nach Abschluss des Workshops das entwickelte Kompetenzmodell zu bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass Auszubildende über unterschiedliche Erfahrungen mit digitalen Technologien im Arbeitsalltag verfügen, eine umfassende Information und Schulung über digitale Themen jedoch begrüßen. Dies unterstreicht den Bedarf, digitale Technologien und Inhalte in den Berufsschulunterricht zu integrieren und die Auszubildenden frühzeitig zu fördern