Organisationsberatung als Vermittlungsinstanz organisationaler Interessen. - Herausforderungen und Möglichkeiten der Bearbeitung organisationaler Interessenkonflikte.

  • Organisationsberatung wird in der Praxis regelmäßig als vermittelnde Instanz beauftragt, wenn organisationale Interessenkonflikte die internen Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen an ihre Grenzen bringen. Die vorliegende Arbeit prüft, ob diese Zuschreibung theoretisch haltbar ist. Sie fragt: Wie lässt sich Organisationsberatung unter systemtheoretischen Annahmen im Kontext organisationaler Interessenkonflikte beschreiben, und inwiefern ist die Zuschreibung einer vermittelnden Funktion dabei theoretisch haltbar? Methodisch handelt es sich um eine theoriegeleitete, hermeneutisch-argumentative Literaturarbeit, die die Systemtheorie Niklas Luhmanns mit organisations- und beratungstheoretischen Ansätzen (u. a. Schreyögg, Doppler & Lauterburg, von Schlippe & Schweitzer) verknüpft. Die Analyse zeigt zunächst, dass Organisationen als operativ geschlossene, entscheidungsbasierte Systeme zu verstehen sind, in denen Interessenkonflikte keine Störungen, sondern strukturell erwartbare Begleitformen divergierender Entscheidungsprämissen und Rationalitäten darstellen. Am Funktionsbereich HR wird exemplarisch deutlich, dass auch organisationsinterne Instanzen keine neutrale Beobachterposition einnehmen können. Beratung wird demgegenüber als reflexive Praxis bestimmt, die auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung Irritations- und Reflexionsangebote macht, deren Wirkung jedoch kontingent und durch die Mandatierungsstruktur vorstrukturiert bleibt. Als eigenständige konzeptionelle Beiträge entwickelt die Arbeit eine kommunikationstheoretische Bestimmung organisationaler Interessen sowie den Begriff der Mehrparteilichkeit als professionelles Leitprinzip. Die vergleichende Analyse dreier öffentlich dokumentierter Konfliktkonstellationen (Volkswagen, SAP, Bayer) führt zu der zentralen These, dass sich der Spielraum der Vermittlungsfunktion umgekehrt proportional zum Formalisierungsgrad des Konflikts und proportional zur Offenheit seiner Deutung verhält. Vermittlung ist damit nicht als Konfliktlösung, sondern als Ermöglichung neuer Anschlussmöglichkeiten im Umgang mit bestehenden Differenzen haltbar. Schlagwörter: Organisationsberatung, Systemtheorie, organisationale Interessenkonflikte, Entscheidungsprämissen, Mehrparteilichkeit, Irritation, Beobachtung zweiter Ordnung

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Metadaten
Author:Fabian Helk
URN:urn:nbn:de:hbz:386-kluedo-136044
DOI:https://doi.org/10.26204/KLUEDO/13604
Advisor:Johanna Friesenhahn
Document Type:Master's Thesis
Language of publication:German
Date of Publication (online):2026/09/19
Year of first Publication:2026
Publishing Institution:Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
Granting Institution:Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
Date of the Publication (Server):2026/09/22
Page Number:II, 78
Faculties / Organisational entities:Distance and Independent Studies Center (DISC)
DDC-Cassification:3 Sozialwissenschaften / 300 Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Collections:Herausragende Masterarbeiten am DISC
Licence (German):Creative Commons 4.0 - Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung (CC BY-NC-ND 4.0)