Do no harm, but take no shit. Machtkritische Perspektiven auf Neutralität in der systemischen Moderation.
- Die systemische Moderation beruft sich traditionell auf das Prinzip der Neutralität, das Offenheit ermöglichen, Perspektivenvielfalt sichern und eine nicht-einengende Haltung der Moderierenden gewährleisten soll. Gleichwohl zeigen sich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis erhebliche Unschärfen und Widersprüche im Verständnis von Neutralität. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich das Verständnis von Neutralität verändert, wenn es durch eine machtkritische Perspektive betrachtet wird. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Neutralität kein voraussetzungsloser Zustand ist, sondern ein Konstrukt, das stets von gesellschaftlichen Machtverhältnissen und der Positioniertheit der Beratenden durchdrungen ist. Auf Grundlage einer theoriegeleiteten, konzeptanalytischen Literaturarbeit werden die Ursprünge und Differenzierungen von Neutralität in der systemischen Beratung dargestellt und mit sozial- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen wie der Doxa (Bourdieu), situiertes Wissen (Haraway) und Konzepten epistemischer Gewalt kritisch verknüpft. Dabei wird sichtbar, dass Neutralität in Mehrpersonensettings und organisationalen Kontexten nicht nur an praktische Grenzen stößt, sondern auch exkludierende oder stabilisierende Effekte zugunsten bestehender Machtstrukturen entfalten kann. Die Arbeit argumentiert, dass eine machtkritische Haltung die Vorstellung von Neutralität grundlegend in Frage stellt und diese ersetzt werden muss, durch eine bewusste Reflexion eigener Positioniertheit, Verantwortung und der Wirkung professionellen Handelns. Als praxisorientierte Schlussfolgerung wird ein alternativer Orientierungsrahmen vorgeschlagen, der unter dem Leitsatz „Do no harm, but take no shit“ gefasst wird. Dieser zielt darauf ab, Moderation nicht als neutrale, sondern als verantwortungsvolle, differenzsensible und solidaritätsorientierte Praxis zu verstehen, die strukturelle Ungleichheiten aktiv berücksichtigt, statt sie unbeabsichtigt zu reproduzieren.
| Author: | Sarah Vazquez Coence |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:hbz:386-kluedo-93064 |
| Advisor: | Muna Stipp, Rolf Arnold |
| Document Type: | Master's Thesis |
| Language of publication: | German |
| Date of Publication (online): | 2025/11/17 |
| Year of first Publication: | 2025 |
| Publishing Institution: | Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau |
| Granting Institution: | Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau |
| Date of the Publication (Server): | 2025/11/18 |
| Tag: | Allparteilichkeit; Diskriminierung; Diskriminierungskritik; Do no harm, take no shit; Doxa; Epistemische Gewalt; Haltung; Macht; Machtkritik; Machtstrukturen; Neutralität; Neutralitätskritik; Positioniertheit; Post-Neutralität; Selbstreflexion; Situiertes Wissen; Solidarität; Systemische Beratung; Systemische Moderation |
| Page Number: | 61 |
| Faculties / Organisational entities: | Distance and Independent Studies Center (DISC) |
| DDC-Cassification: | 3 Sozialwissenschaften / 300 Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie |
| Collections: | Herausragende Masterarbeiten am DISC |
| Licence (German): |
